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"LARPer Stinken" oder "mit dir spiel ich nicht"

Auf InLARP gab es heute einen Artikel mit dem Thema "LARPer stinken" der sich mal darum kümmert, was für einen Wahrnehmungshorizont der gemeine Live Rollenspieler hat (na gut eigentlich ging es um Toleranz, ist aber ein toller Aufhänger gewesen, um noch andere Dinge anzuschneiden).
Demnach ist selber nämlich recht beschränkt, meistens auf sich und die Leute mit denen man eh immer rumhängt, gerne wird ja das Argument verwendet, dass einem die Kumpels schon sagen würden, wenn sie etwas für peinlich, uncool oder einfach nur scheiße halten.
Aber dem ist nicht so, wie man vor allem bei allseits beliebten Castingshows im Fernsehen beobachten kann. Da steht dann so eine unterdurchschnittliche, aufgetakelte Göre vor dem "Musik Experten" und röchelt sich einen ab und nach der harschen Absage vor der Tür heult sie in die Kamera "aber meine Freunde sagen immer ich kann gaaaanz doll singen und werde mal berühmt".
Leute, merkt euch: Eure Freunde werden euch in den seltensten Fällen sagen, dass ihr bekloppt seid.
Dafür machen das Schreiber in Foren umso lieber und deutlicher. Womit wir wieder beim LARP landen.

Es soll ja Leute geben, die ne tolle Idee haben, die auch im LARP funktioniert und gut ankommt, weil sie Spielangebote schafft.
Das Gegenteil davon ist meist jünger, fängt gerade an, hat zuviel DAS, D&D, What Ever gespielt und weil er dort der geil Jupp ist, der jede Schankhausmaid abschleppt und sich tagsüber als Assasine, natürlich stilecht in schwarz und mit Tuch vorm Gesicht, Leute meuchelt, die ihn schief ansehen. Dieser Typ bastelt sich dann auch einen Charakter zusammen, meist kommt dabei ein Halb-Blutelf-3/4-Dämon-1/4-Werwolf mit der Fähigkeit Leuten im Sprung die Arme abzureißen dabei raus. Als Nachteil muss ja auch was her sonst wäre man ja ein Power Gamer also ist man mal so eben gegen den Kontakt mit Gumbapilzen allergisch.

Dieses Paket wird dann in ein Forum gestellt und der Autor fragt um die Meinung der anwesenden Leser.
Meisten bekommt er dann schon auf der ersten Seite die Meinung gesagt, dass er doch erst mal was einfaches spielen soll, dass das Konzept eh nicht funktioniert etc.
Darauf hin ist der gute etwas eingeschnappt, nennt die Schreiber Gewandungsfaschisten (erstaunt muss ich gerade feststellen, dass meine Rechtschreibkorrektur dieses Wort kenn), die doch Reenactment machen sollen etc.
Das ganze geht dann so ein paar Seiten weiter.

Irgendwann fällt dann eben der Satz, dass man so einen Charakter auf dem Con ignorieren würde, wenn man ihn träfe.
Dieser Satz löst dann wiederum eine neue Diskussion los, die die Frag aufwirft, ob man so was denn tun kann bzw. darf.

Ich denke, klar kann man das machen, warum sollte ich mit jemanden interagieren, der mir auf die Nerven geht? Egal ob das OT oder IT ist.
Wenn jemand möchte, dass man ihn so spielen lässt, wie er es sich vorstellt, möchte ich diese Möglichkeit für mich auch in Anspruch nehmen, schließlich möchte ich ja auch Spaß haben.
Beim LARP gilt es halt immer das Gleichgewicht zwischen dem eigenen und dem Spaß andere zu wahren, ab und an kollidieren dadurch Vorstellungen und dann ist es eben besser man geht sich aus dem Weg.
In diesem Hobby sind wir eben keine „Familie“ oder eingeschworene "Szene".
Es gibt viel zu viele verschiedenen Strömungen und Vorstellungen, was das Spiel ausmacht und das ist auch gut so.
Genauso wie es gut ist, dass ich sagen kann was ich persönlich absolut beknackt finde.

Womit wir nun bei dem Thema Toleranz sind.
Natürlich kann ich zu allem und jedem Tolerant sein, aber will ich das auch?
Ist das überhaupt nötig?
Sind LARPer toleranter als andere Hobbyisten?

Wer jetzt eine absolute Ja/Nein-Antwort erwartet für die ersten beiden Fragen hat an dieser Stelle Pech.
Ich sage mal ein entschiedenes „das kommt darauf an.“
Einem Konzept welches spielstörend und destruktiv ist muss ich nicht Tolerant gegenüberstehen, ich muss sogar nicht einmal darauf eingehen, wenn es mein Spiel versaut. Wenn es zwar ne seltsame Idee ist, die mir aber Spaß macht, obwohl andere „Pappnase“ schreien, kann ich für mich aber entscheiden, dass ich sie annehme und in mein Spiel mit einbeziehe.

Was die Frage angeht ob LARPer toleranter sind als andere so denke ich, dass das nicht zutrifft.
Eher das Gegenteil, viele LARPer erwarten mehr Toleranz von ihrer Umgebung als sie selbst bereit sind zu geben.
Da wird in voller Orc-Montur mal eben schnell ein Supermarktbesuch gemacht, weil das Bier Samstagmittag alle ist und später wird sich dann über die negative Presse gewundert, weil es ein paar Spacken nicht lassen konnte sich an der Kühltheke um das letzte Steak zu duellieren. In diesem Zug wird dann meistens über die Intolerante Gesellschaft gejammert und darüber geschimpft, dass die Presse doch immer nur Mist verzapft.

Einigen muss wohl noch klar werden, dass Toleranz keine einseitige Sache ist sondern, dass man sie sich gegenseitig entgegenbringen muss.
Genauso verhält es sich damit, dass einige endlich einsehen müssen, dass LARP nur ein Sammelbecken für sehr verschiedene Settings, Vorstellungen und Ansprüche ist und somit Meinungen kollidieren.
Es gibt nun mal verschiedene Standpunkte zu einem Thema und wenn man darum bittet, dass andere ihre Meinung kundtun, dann muss man auch mit Kritik rechnen.

Und hiermit schließe ich nun den kleinen Exkurs in die „Szene“.

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